Synagoge trifft Kirche - Konzert des Oratorienchores am 24.03.2019

ein Treffen von Völkern und Religionen, in Zusammenarbeit mit dem Synagogenverein Auerbach, mit internationalen jüdischen und christlichen Komponisten und Mitwirkenden.

Ein Bericht über dieses Konzert:

 

Es gab kaum noch freie Plätze in der Michaelskirche, als der Oratorienchor dort am Sonntag, dem 24.03., in einem Konzert musizierte, das gemeinsam mit dem Synagogenverein Auerbach veranstaltet wurde. Das Programm war außergewöhnlich: Unter dem Titel "Synagoge trifft Kirche" fand sozusagen ein konzertanter jüdisch-christlicher Dialog   statt. 

Musik und Religion waren im Judentum schon immer eng miteinander verwachsen, es wird überwiegend singend gebetet und gelesen, aber erst mit der Reformbewegung im 19. Jahrhundert fanden die Orgel und mehrstimmiger Gesang Eingang in die Synagoge,  wobei man sich  an der Musik der christlichen Komponisten dieser Zeit orientierte. 

Der Oratorienchor  sang drei Psalmvertonungen des Berliner Kantors Louis Lewandowski, dem wichtigsten Komponisten der jüdischen Reformbewegung in Deutschland. Und es bereitete den Choristen hörbares Vergnügen, die klanglichen und dynamischen Möglichkeiten dieser Musik auszuloten, die einen ausgesprochen romantischen Charakter hat und an die Kompositionen Mendelssohns erinnert. 

Der instrumentale Teil des Konzertes wurde von dem ukrainischen Bratschisten Semjon Kalinowski und dem Luxemburger Organisten Paul Kayser außerordentlich klangschön , lebendig und teilweise auch witzig gestaltet. 

 

Programmpunkte waren zum einen Werke für Orgel solo von jüdischen Komponisten aus zwei Jahrhunderten (Lewandowski und Jaromir Weinberger) sowie des katholischen Organisten Paul Kayser selbst, der mit seiner Improvisation über den Choral "Großer Gott, wir loben dich" und die israelische Nationalhymne eine christlich-jüdische Verbindung der besonderen Art schuf. 

Die Werke für Viola und Orgel - ausnahmslos Bearbeitungen - stammten teilweise von eher bekannten Komponisten (Joseph Gabriel Rheinberger, Max Bruch), boten den Zuhörern aber auch die lohnende Gelegenheit, bei uns weithin unbekannte jüdische Komponisten des 19. und 20. Jahrhunderts  kennenzulernen (Joseph Sulzer, Joachim Stutschewsky).

 

Mit einem jüdischen Bratschisten aus der Ukraine, einem katholischen Organisten aus Luxemburg und einem evangelischen Chordirigenten aus Deutschland, mit jüdischen, katholischen und evangelischen Komponisten aus unterschiedlichen Ländern war dieses Konzert ein Treffen der Religionen, der Konfessionen und der Völker.

 

März 2019